IHK Ostwürttemberg

IHK-Vollversammlung

Ostwürttemberg  | 23.11.2017

IHK-Präsident Markus Maier, ZEW-Präsident Prof. Dr. Achim Wambach und IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle. Foto: IHK
IHK-Präsident Markus Maier, ZEW-Präsident Prof. Dr. Achim Wambach und IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle. Foto: IHK

Heidenheim: In ihrer traditionellen Herbstsitzung behandelte die Vollversammlung am 20. November 2017 die Finanzplanungen der IHK Ostwürttemberg. Neben Nachwahlen in IHK-Ausschüsse standen kurz vor dessen Fertigstellung auch der Neubau des IHK-Bildungszentrums sowie die neuen Weiterbildungsangebote der IHK auf der Tagesordnung. Im Anschluss an den offiziellen Teil sprach Prof. Achim Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), Mannheim, zum Thema „Europa im Dauerstress – schafft Macron die Wende?“.

IHK-Präsident Markus Maier äußerte in seinem einleitenden Bericht die Hoffnung, dass eine neue Bundesregierung verantwortungsvoll mit den hohen Steuereinnahmen infolge der wirtschaftlich guten Situation umgeht. Er begrüßte die Vorschläge der Wirtschaftsweisen und des Sachverständigenrats für sinnvolle Investitionen insbesondere in Teilmetropolregionen. Maier: „Benötigt werden hier Investitionen in Bildung und Beruf sowie den Breitbandausbau. Zudem müssen auch Entlastungen realisiert werden. Eine Erhöhung der Staatsquote müsse vermieden werden.“

In den Haushaltsberatungen verabschiedete die IHK-Vollversammlung den von der Rechnungsprüfungsstelle der IHKs in Bielefeld geprüften Jahresabschluss 2016. Laut Prüfbericht hat die IHK Ostwürttemberg auch 2016 die Grundsätze der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit bei der Aufstellung des Wirtschaftsplans beachtet und die im Rahmen des Erfolgs- und Finanzplanes zur Verfügung stehenden Mittel nach diesen Grundsätzen verwendet. Zudem wurde der Wirtschaftsplan 2018 verabschiedet. Bei einem prognostizierten positiven Betriebsergebnis ist dieser entscheidend geprägt vom anhaltenden Niedrigzinsumfeld, wie Frank Stetter, Leiter Zentrale Dienste der IHK Ostwürttemberg, erklärte.

Beitragssatz unverändert auf niedrigem Niveau
Der nach dem Bilanzmodernisierungsgesetz vorgeschriebene Zinssatz für die betriebliche Altersversorgung lässt sich auf dem Kapitalmarkt nicht erwirtschaften, was eine zinsbedingte Erhöhung der Rücklagen und damit verbundene höhere Aufwendungen notwendig macht. Um das daraus entstehende negative Finanzergebnis auszugleichen, soll nach Plan ein Rückgriff auf die Rücklagen folgen. Dennoch verbleiben die Beiträge für die IHK-Mitgliedsunternehmen auch in 2018 auf dem bestehend niedrigen Niveau. Der Umlagesatz bleibt wie im Vorjahr bei 0,17 Prozent. IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle: „Dieser Umlagesatz ist im landesweiten Vergleich unter allen zwölf IHKs einer der niedrigsten, trotz des im Landesvergleich geringsten regionalen Gewerbeertrags.“ Das Volumen des IHK-Haushalts 2018 umfasst knapp 11,5 Mio. Euro.

IHK-Neubau in Aalen mit Tag der offenen Tür
Die Eröffnung des neuen IHK-Bildungszentrums in Aalen steht bevor. IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle informierte über die abschließenden Arbeiten bis zur Eröffnung am 9. Dezember. Der Umzug aus dem alten Bildungszentrum ist am 20. November gestartet und soll bis zum 1. Dezember abgeschlossen sein. Ab Montag, 4. Dezember, soll bereits der Regelbetrieb im neuen Gebäude für Auszubildende und Umschüler aufgenommen werden. Offiziell eingeweiht wird das IHK-Bildungszentrum mit einem Tag der offenen Tür am Samstag, den 9. Dezember 2017 ab 13:30 Uhr. Die IHK lädt alle interessierten Unternehmer, Bürger, Auszubildende und Schüler sehr herzlich ein.

Cornelia Kirchmayr, Leiterin der IHK-Weiterbildung, informierte die Vollversammlung über das neue Weiterbildungsprogramm 2018 der IHK. Diese „Bibel“ für Weiterbildungsinteressierte komme nicht nur in optisch deutlich attraktiverem Gewand, auch die Inhalte wurden stark ergänzt. Ganze Themenbereiche, wie beispielsweise Persönlichkeitsentwicklung oder Betriebswirtschaft, sind neu. Ebenso wurden viele neue Seminare ins Programm aufgenommen. So bietet die IHK in der Broschüre auf rund 160 Seiten ein umfassendes Angebot an Seminaren, Lehrgängen und Workshops. Neu wird bspw. im Bereich der Zertifikatslehrgänge der „Projektmanager (IHK)“ angeboten.

Personelle Veränderungen
Für den aus der Vollversammlung ausgeschiedenen ehemaligen IHK-Präsidenten Carl Trinkl rückte entsprechend der Wahlordnung Selcuk Özer, Inhaber des SEL Versicherungsmakler-Büros in Aalen, nach. Nachwahlen gab es zudem in verschiedene Ausschüsse der IHK: Sinanudin Omerhodzic, Vice-President der Paul Hartmann AG, Heidenheim, verstärkt den Digitalisierungsausschuss. Stephan Gruber, Geschäftsführer Technik bei der Papierfabrik Palm, Unterkochen, unterstützt künftig den Industrieausschuss. Im Rechtsausschuss wirkt künftig Daniel Köpf von Südwestmetall in Aalen mit. Ruth E. Grüninger, Inhaberin des Reisebüros Grüninger in Gerstetten, verstärkt den Verkehrsausschuss. Nachnominiert in den Berufsbildungsausschuss wurde Andreas Nebert, Ausbildungsleiter bei der Bosch Automotive Steering GmbH in Schwäbisch Gmünd.

Europa im Dauerstress – schafft Macron die Wende
Nach der offiziellen Sitzung referierte Gastredner Prof. Dr. Achim Wambach, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, über die wirtschaftspolitischen Herausforderungen für Europa. Wambach betrachtete zunächst, in welchem volkswirtschaftlichen Umfeld sich Europa im Vergleich mit den weltweit größten Volkswirtschaften USA und China bewegt. Die wirtschaftliche Erholung in Europa komme mit einem Wachstum von 2,2 Prozent gut voran, bei einer gleichzeitig erfreulich niedrigen Inflationsrate im Euro-Raum von 1,3 Prozent. Zusammengefasst würden die USA mit 25 Prozent, die EU mit 22 Prozent und China mit 15 Prozent knapp zwei Drittel des Welt-Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften. Studien zufolge würden Zölle der USA auf Waren aus Mexiko und China nicht direkt die US-amerikanische Wirtschaft stärken. US-amerikanische Strafzölle würden zu einem Wachstum des BIP von 0,5 Prozentpunkten in Deutschland führen, weil sich die Nachfragen verschieben würden. Die Wirtschaftspolitik der USA nannte der Volkswirt „Trumponomics“. Diese sei von Widersprüchlichkeit gekennzeichnet. „Buy American“ sei nicht zielführend, da Wachstum innerhalb der USA zu 80 Prozent durch Innovationen und nur zu 20 Prozent durch Globalisierung entstehe.

Die Volksrepublik China habe mit der Strategie "Made in China 2025" ehrgeizige Ziele formuliert. Aus der Werkbank der Welt soll die Volksrepublik zu einer führenden Industrienation aufsteigen. Die Marke "Made in China" soll dann für Innovation, Qualität und Effizienz stehen. Analysen chinesischer Patente zeigten, dass chinesische Entwicklungen komplementär zu deutschen und substitutiv zu US-amerikanischen seien. In diesem Umfeld müsse sich Europa wappnen, bei gleichzeitig störenden Fliehkräften unter den Mitgliedsstaaten. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron setze sehr auf ein starkes und vereintes Europa. Er habe Vorschläge für eine „souveräne, vereinigte und demokratisch Neugründung Europas“ unterbreitet. Hierzu zählen Themen wie EU-Haushaltsbudget, Euro-Finanzminister, Steuerharmonisierung und Finanztransaktionssteuer, EU-Agrarpolitik sowie EU-Verteidigungspolitik und -budget ebenso wie EU-Energiemarkt. Es gelte insgesamt, EU-Mehrwerte zu definieren, die Wachstum und Beschäftigung stärken. Schließlich nannte Prof. Wambach die Demografie, die Digitalisierung und die Energiewende als gesamteuropäische Herausforderung mit dem größten wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf.

V.i.S.d.P.: IHK Ostwürttemberg

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