Landratsamt Ostalbkreis

Stellenwert der dualen Ausbildung

Ostwürttemberg  | 07.11.2017

Stellenwert der dualen Ausbildung. Foto: Landratsamt Ostalbkreis
Stellenwert der dualen Ausbildung. Foto: Landratsamt Ostalbkreis

Aalen: Julian Nida-Rümelin referierte bei 7. Bildungskonferenz des Ostalbkreises. Über 200 Gäste konnte Landrat Klaus Pavel kürzlich zur 7. Bildungskonferenz im Aalener Landratsamt begrüßen. Die Konferenz widmete sich den Ursachen und Herausforderungen des Trends, dass immer mehr junge Menschen ein Hochschulstudium aufnehmen und immer weniger eine duale Ausbildung anstreben.

In seiner Einführung zitierte Landrat Klaus Pavel aus der Presse: „Die berufliche Ausbildung in Deutschland genießt weltweit ein hohes Ansehen und gilt dadurch als Erfolgsmodell. Doch in Deutschland ist das duale System in Schwierigkeiten.“ Er führte aus, es wäre einfach zu sagen, die Gründe hierfür in der Zahl der sinkenden Geburten und der damit verbundenen Rückgänge bei den Schulabgängern zu suchen. Die Ursachen für diese Entwicklung seien jedoch vielschichtiger und bedürften einer größeren Aufmerksamkeit. Denn man könne gleichzeitig sehen, dass auch im Ostalbkreis die Zahl derjenigen Schülerinnen und Schüler steigt, die nach Klasse 4 auf ein Gymnasium wechseln, verbunden mit dem Wunsch, das Abitur zu erreichen, um anschließend ein Studium aufzunehmen. Dabei sei es durchaus eine positive Entwicklung, dass der Hochschulstandort Ostalbkreis attraktiv und in den letzten Jahren die Studierendenzahl stark gestiegen sei. Gleichzeitig sei aber die Zahl sowohl der Auszubildenden als auch der Ausbildungsbetriebe im gleichen Zeitraum deutlich gesunken. Dabei warf Pavel die Fragen auf, worauf diese Entwicklung zurückzuführen sei, ob das für ein steigendes oder sinkendes Bildungsniveau spreche und welche Auswirkungen diese Entwicklung auf den Fachkräftebedarf habe. Des Weiteren berichtete er, dass Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann in ihrer Präsidentschaft der Kultusministerkonferenz das Ziel verfolge, dass die duale Ausbildung als gleichwertig zur akademischen Ausbildung angesehen wird. Die duale Ausbildung solle „ein Königsweg und keine zweite Wahl“ sein. Dafür müsste noch mehr in die berufliche Orientierung an den Schulen investiert werden, damit die Jugendlichen frühzeitig für sich persönlich die richtige Berufs- oder Studienwahl treffen können. Der Ostalbkreis habe sich mit der vertieften Berufsorientierung, mit dem Einsatz von Bildungsbegleiterinnen und Bildungsbegleitern, bereits vor Jahren auf den Weg gemacht. Als „Verantwortungsgemeinschaft Ostalbkreis - Übergang Schule-Beruf“ setzten sich zudem – nicht nur auf der operativen Ebene – Vertreterinnen und Vertreter der Institutionen Schulamt, Agentur für Arbeit, Jobcenter, IHK, HWK und Verbände für einen nahtlosen und zielführenden Übergang von der Schule in den Beruf oder Studium ein. Das erfolgreiche Regionale Übergangsmanagement des Ostalbkreises finde, so der Landrat, inzwischen bundesweit als Best Practice Beispiel Beachtung. Es sei nun wichtig, Chancen und Herausforderungen aber auch die Probleme der Akademisierung zu benennen.

Nida-Rümelin zeigte sich optimistisch, dass die Fehlsteuerung der letzten Jahre hin zu mehr Akademisierung korrigiert und die Position der dualen Ausbildung gestärkt werde. Wichtig wäre dabei, dass die gymnasiale Schulbildung nicht nur als Vorbereitung auf ein Studium wahrgenommen werden sollte, und dass durch die Digitalisierung ein weiterer Bedarf an Fachkräften entstünde. Ein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Ausbildungswegen sollte daher hergestellt werden. Schließlich fasste Nida-Rümelin die Kernbotschaften seines Vortrages zusammen. Es müsse eine „Kultur der gleichen Anerkennung“ geben, die sich auch in der Entlohnung niederschlage. Eine frühzeitige Kompetenzanalyse und Kompetenzförderung, der Einbezug der Eltern sowie eine „richtige verstandene Berufsorientierung“, die auf die Neigung der Schülerinnen und Schüler eingehe und Vielfalt statt Einfalt biete, seien von Bedeutung.

Anknüpfend an diese Kernpunkte leitete Landrat Pavel über zu einem Podiumsgespräch mit Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin, Michaela Eberle, Hauptgeschäftsführerin der IHK Ostwürttemberg, Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm, Elmar Zillert, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, sowie Hans Krauss, Personalleiter MAPAL Fabrik für Präzisionswerkzeuge Dr. Kress KG. Dabei wurde die Situation der dualen Ausbildung im Ostalbkreis diskutiert und einerseits der im Landesvergleich überdurchschnittliche Zuwachs im Bereich der dualen Ausbildung herausgestellt, aber gleichzeitig die Herausforderungen des Facharbeitermangels beleuchtet. Unter anderem wurde auch auf die Bedeutung der Digitalisierung für die duale Ausbildung und Arbeitswelt im Ostalbkreis eingegangen.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion konnten in entspannter Atmosphäre bei einem reichhaltigen Buffet der Dreißentalschule Oberkochen die angesprochenen Themen in persönlichen Gesprächen vertieft werden. Für einen ansprechenden musikalischen Rahmen sorgten die Sängerinnen und Sänger des Kammerchors des Kopernikus Gymnasiums Wasseralfingen, die für ihre Beiträge großen Beifall ernteten.

V.i.S.d.P.: Landratsamt Ostalbkreis

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