IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg

Regionales Zukunftsforum von IHK und automotive bw

Schwarzwald-Baar-Heuberg | 18.09.2017

Was die Mobilitätswende bringt, wollten rund 100 Zulieferer beim IHK-Zukunftsforum im Hofgut Hohenkarpfen erfahren. Foto: IHK
Was die Mobilitätswende bringt, wollten rund 100 Zulieferer beim IHK-Zukunftsforum im Hofgut Hohenkarpfen erfahren. Foto: IHK

Villingen-Schwenningen: Die Mobilitätswende in der Automobilindustrie hat begonnen und stellt die mittelständischen Automobilzulieferer in Baden-Württemberg vor neue Herausforderungen: Elektromobilität, Digitalisierung, Sharing-Konzepte und Internationalisierung. Zu diesem Thema hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwarzwald-Baar-Heuberg zu einem regionalem Zukunftsforum ins Hofgut Hohenkarpfen in Hausen o.V. eingeladen. „Die Automobilzulieferer gerade in unserer Region sind sich dem technologischen Wandel bewusst.

Wichtig aber ist dabei, dass die Diskussion technologieoffen und ideologiefrei geführt wird", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Thomas Albiez mit Blick auf den aktuellen Dieselskandal. Dem Ziel einer klimaneutralen Mobilität widerspreche niemand - der Weg dorthin sei nun die Herausforderung.

Die Branche aus Sicht von Baden-Württemberg schilderte Hartmut Reichl, Ministerialdirigent Mittelstand und Märkte im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohungsbau BW. Deutschland müsse aufpassen, bei der Digitalisierung mit China und den USA mithalten zu können. Er riet den Zulieferern, ihre Abnehmer im Auge zu behalten. Allerdings müsse man die Information differenziert betrachten - die Entwicklungen seien nicht unbedingt identisch mit dem deutschen Markt. „Die Infrastruktur der Verbrennungsmotoren wird noch lang gebraucht werden", sagte Reichl angesichts der geringen Reichweite von Elektro-Fahrzeugen und der Verfügbarkeit von Ladestationen. Dies betonte auch Albrecht Friedrich, Geschäftsführer der RKW BW/ automotive BW. Den Bestand von 1,3 Milliarden Fahrzeugen zu ersetzen, werde dauern. „Die Ausgangssituation ist toll. Die Elektro-Mobilität kommt, Sie haben also doppelte Möglichkeiten." Die Zulieferer könnten demnach weiterhin traditionelle Wege beschreiten, und langsam auch auf alternative Antriebe umstellen und in neue Konzepte einsteigen.

Wie sie der Mobilitätswende begegnen, schilderten die Geschäftsführer von drei Zuliefererbetrieben. Die MS Powertrain Technologie GmbH habe ihre Vertriebsstrategie überdacht, das Marktvolumen analysiert und damit herausgefunden, welches Thema die Firma in den nächsten zwei Jahren treffe, sagte Geschäftsführer Wolfgang Bieber. Er riet dazu, strategische Allianzen zu bilden und warnte im internationalen Geschäft vor problematischen Verträgen. Diese sollten nicht unterzeichnet werden, ohne von einem Wirtschaftsjuristen geprüft zu werden.

Anhand der Tachographen-Herstellung schilderte Michael Gut, Programm-Manager bei der Continental Automotive GmbH, welches Potenzial im Strukturwandel steckt. Continental sei von der Produktion des mechanischen Tachographen abgerückt und stelle nun die digitale Version her. Bei der Produktion von Mautgeräten habe die Firma die Wertschöpfungskette verlängert, indem sie Werkstätten, die das Gerät einbauen, akquiriert und ein Webportal für die Kunden aufgebaut habe. „Das Produkt als Voller Service anzubieten: Dieses Knowhow haben Sie eigentlich im Haus", erklärte er den Zuhörern.

Dass die Zerspaner erst reagieren könnten wenn sie wissen, wie und wann sich die Mobilität verändert, erklärte Ingo Hell, Geschäftsführer der Zetec GmbH & Co KG und erster Vorsitzender der Cluster-Initiative Zerspanungstechnik. Er forderte eine neutrale, offene, komplexe und nachhaltige Debatte. Bei der Elektromobilität werde das Thema Entsorgung und Recycling oft völlig ignoriert. Und wie sauber und emissionsarm die E-Autos seien, hänge von der Stromproduktion ab. „Ein Kohlekraftwerk ist deutlich dreckiger als ein Dieselmotor." Auch der Bedarf an Metallen der Seltenen Erden sei extrem hoch, zudem hätten die batteriebetriebenen Fahrzeuge eine geringe Reichweite. Bis zur Mobilitätswende sei es noch ein weiter Weg, meinte auch er. Jedoch wolle er die Situation nicht verharmlosen. Die Zulieferer müssten Strategien entwickeln, um für den Strukturwandel bereit zu sein.

Wolf R. Hirschmann, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens slogan, riet den Zuhörern, sich die Frage nach der Verwundbarkeit ihres Unternehmens zu stellen. „Welche Ausrichtung hat Ihr Unternehmen? Was sind die wahren Stärken? Was tun Sie ganz konkret heute? Und wie?", fragte er. Der Wettbewerb funktioniere nicht mehr nach den traditionellen Regeln, und abzuwarten sei die schlechteste Lösung. Neugier sei ein starker Antriebsfaktor. Hirschmann riet dazu, alles in Frage zu stellen. Bill Gates etwa habe 1993 das Internet als völligen Hype abgetan und Kaiser Wilhelm II habe das Automobil für eine vorübergehende Erscheinung gehalten. „Eines kann ich Ihnen garantieren: Wenn Sie so weiter machen wie bisher, dann geht der Markt an Ihnen vorbei.“

 V.i.S.d.P.: IHK Schwarzwald-Baar-Heuberg

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