Südwestmetall

Wirtschaft 4.0 als Chance zu mehr Flexibilisierung

Ulm (Region) | 18.10.2017

V.l.: Manfred Eilers, Stefan Halder, Mario Trunzer, Gunter Czisch, Götz Maier. Foto: Südwestmetall
V.l.: Manfred Eilers, Stefan Halder, Mario Trunzer, Gunter Czisch, Götz Maier. Foto: Südwestmetall

Ulm: Die regionale Metall- und Elektroindustrie konnte auf ihrer traditionellen Mitgliederversammlung im Herbst auf eine gute Gesamtlage verweisen. Als großes Thema des Abends stand die Digitalisierung mit Industrie 4.0 im Mittelpunkt. Dabei gingen die inhaltlichen Vorstellungen in Wirtschaft und Gesellschaft oft auseinander, sagte Mario Trunzer, Vorsitzender von Südwestmetall Ulm.

„Wir ‚Arbeitgeber‘ verstehen die Digitalisierung als Chance zu mehr Flexibilisierung. Von dieser Flexibilisierung können auch die Arbeitnehmer, beispielsweise im Rahmen der Arbeitszeitgestaltung profitieren“, unterstrich Trunzer. Jedoch seien derzeit noch viele gesetzliche Rahmenbedingungen zu starr und unflexibel. „Das Arbeitszeitgesetz muss dringend an die Digitalisierung angepasst werden, pauschale gesetzliche Regelungen sind in einer differenzierten und digitalisierten Arbeitswelt immer weniger zielführend“, sagte Trunzer. Es gelte dabei, die Sozialpartner zu stärken und insgesamt wieder „mehr Wirtschaft zu wagen“, unterstrich er.

Die wirtschaftliche Lage der Unternehmen sei in 2017 zwar noch stabil, sagte Trunzer, bei den genannten Themen passe die aktuelle Forderung der IG Metall nach einer Lohnerhöhung um 6% bei gleichzeitiger Möglichkeit die Arbeitszeit von 35 auf 28 Wochenstunden zu reduzieren überhaupt nicht ins Bild. „Auch wenn sich die Konjunktur derzeit gut entwickelt, profitieren hiervon aber längst nicht alle Unternehmen. Dies sollten wir bei den Tarifgesprächen auf alle Fälle beachten“, mahnte Trunzer.

Trunzer und Maier betonten, dass in den letzten Jahren die Löhne in der M+E-Industrie kontinuierlich gestiegen seien. Seit dem Jahr 2000 lag die Tarifsteigerung bei gut 60%. Damit erhielten die baden-württembergischen M+E-Tarifbeschäftigten ein Reallohnplus von mehr als 26 Prozent. „Die Unternehmen belastet dies aber erheblich“, unterstrich Trunzer. Wenn es an die Substanz ginge, kämen mehr und mehr Betriebe an die Belastungsgrenze.

Gerade die zunehmende Digitalisierung biete deshalb viele Möglichkeiten, darauf variabel einzugehen und etwa die Arbeitszeiten flexibler zu gestalten. Der nun aber geforderte Anspruch der IG-Metall auf eine befristete Arbeitszeitverkürzung auf 28 Wochenstunden würde den Faktor „Arbeit“ in Deutschland zusätzlich verteuern. Auch zum herrschenden Fachkräftemangel passe diese Forderung nicht, so Trunzer. Das Resultat wäre lediglich, dass es mehr befristete Beschäftigungsverhältnisse gäbe, um das Arbeitspensum bewältigen zu können.

„Dies ist aber doch gerade das, was die IG Metall nicht möchte, nämlich befristete Beschäftigung, Zeitarbeit, etc., die in ihren Augen allesamt prekär sind“, wunderte sich Trunzer. Zudem bestehe die IG Metall-Forderung für einen großen Teil der Beschäftigten – nämlich Eltern, Pflegende, Schichtarbeiter - einen Entgeltausgleich für die nicht geleistete Arbeit zu erhalten. Diese Mehrkosten müssten dann aus Sicht der Arbeitgeber solidarisch von allen Beschäftigten getragen werden. „Hier bin ich auf die Reaktionen der Beschäftigten schon gespannt. Wir brauchen langfristige Tarifverträge mit der Möglichkeit zur Differenzierung und Flexibilisierung, die sich an der Produktivität orientieren. Nur so kann Deutschland wettbewerbsfähig bleiben“, so Trunzer.

V.i.S.d.P.: Südwestmetall

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