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Wie sinnvoll Robo Advisor wirklich sind

landesweit in BW | 09.03.2018

Wie sinnvoll Robo Advisor wirklich sind. Foto: © geralt / pixabay.com
Wie sinnvoll Robo Advisor wirklich sind. Foto: © geralt / pixabay.com

Höchberg: Schon seit geraumer Zeit findet im Banken-Sektor eine zügig stattfindende digitale Transformation statt. Es vergeht kaum ein Monat, ohne dass es neue Angebote für Firmenkunden oder Sparer von Seiten der Finanztechnologieunternehmen gibt. Das liegt vor allem an den schlankeren Strukturen der digitalen Dienstleister, die die daraus resultierenden Kostenvorteile an die Kunden weitergeben können. Schlussendlich wird das Geld der Kunden heutzutage schon mittels einer vollautomatischen Software angelegt.

Lösen digitale Vermögensverwalter traditionelle Finanzhäuser ab?

Robo Advisors, so werden digitale Plattformen genannt, scheinen immer beliebter zu werden. Bis zum Jahr 2020 soll der Online-Vertrieb für Anlage- und Sparprodukte von heute 20 Prozent auf 35 Prozent steigen. „Aktuell befinden wir uns in einem komplett neuen Markt und stehen somit erst am Anfang. Jedoch wollen wir immer wieder spannende Dienste anbieten und dafür sorgen, dass sich die Kunden an das digitale Geschäft gewöhnen“, so Christian Schneider-Sickert, der Gründer und auch Geschäftsführer von „Liqid“, einem digitalen Vermögensverwalter. Doch jetzt schon zu sagen, die traditionellen Finanzhäuser würden demnächst keine Rolle mehr spielen, sei verfrüht. „Noch kann die komplette Bankverbindung keinesfalls durch eine digitale Vermögensverwaltung ersetzt werden. Die Plattformen müssen die digitalen Fähigkeiten ausbauen und noch mehr Geld in die personalisierte Kundenberatung investieren“, so Carmela Melone, die Senior-Analystin bei „MyPrivateBanking Reserach“. Folgt man den Ergebnissen der Studie „Global Robo-Advisor Benchmarketing 2017“, so seien selbst die führenden Anbieter noch nicht in der Lage, das gesamte Potential der automatisierten Anlageberatung auszuschöpfen.

Es gibt auch kritische Stimmen

In der Regel schaffen Robo Advisors mehr Rendite als einfache und unveränderte Anlagen in Basis-Indexfonds. Im Zuge eines zwölf Monate andauernden Vergleichs, der zwischen Januar und Dezember 2016 durchgeführt wurde, erzielten fünf von sechs Robo Advisors eine um rund 2 Prozent höhere Rendite. Vergleicht man den Zeitraum von Mai 2016 bis Dezember 2016, so konnte sogar eine Wertentwicklung von Plus 9,5 Prozent erreicht werden. Die klassischen Broker kamen nur auf 5,2 Prozent. Doch Robo Advisors müssen differenziert betrachtet werden. Aktuell gibt es in Deutschland gerade einmal vier Anbieter, die eine Finanzportfolio-Verwaltungslizenz der BaFin bekommen haben und daher mit klassischen Vermögensverwaltern gleichgestellt sind. Viele Anbieter agieren zudem auch mehr als Vertriebskanal für Produktanbieter. In der Regel werden meist ETF und keine Einzeltitel verwendet. Nur selten nutzen Robo Advisors auch aktive Fonds, wobei hier noch immer die Menschen die Entscheidung über die Anlageentwicklungen treffen. Folgt man dem „Deutschen Institut für Service-Qualität“, so gibt es sehr wohl Defizite bei der Risikoaufklärung der Kunden und im Rahmen der Online-Bedarfsanalyse. Außerdem sind die aktuellen Kostenaufstellungen nicht zu 100 Prozent verständlich. Zudem zeigen die Kostenanalysen weniger Vergütungsunterschiede zu den unabhängigen Vermögensverwaltern. Auch kann noch nicht die Rede davon sein, dass die Anlagestrategien auf die einzelnen Bedürfnisse der Kunden abgestimmt werden können. Es sind „Einheitsprodukte“, die hier von Seiten der Anbieter zur Verfügung gestellt werden. Wer lieber selbst mit Trading Strategien für Forex oder anderen Strategien arbeiten will, sollte sich daher gegen die digitalen Vermögensverwalter entscheiden.

Und was passiert im Falle eines Crashs?

Anleger, die sich für Robo Advisors interessieren, sollten zudem nicht vergessen, dass der seit Jahren anhaltende Börsenaufwärtstrend mitunter auch einmal ein Ende finden kann. Genau das ist auch der Grund, warum viele Experten noch skeptisch sind, denn wie reagieren Robo Advisors, wenn es tatsächlich zum Crash kommt? Anfang Februar konnten schon erste Reaktionen gesammelt werden; der große Crash blieb jedoch, zum Glück für die Aktionäre, aus.

V.i.S.d.P.: B4B BADEN-WÜRTTEMBERG 

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