Regierungspräsidium Stuttgart

Drei Naturschutzgebiete im Hohenlohekreis feiern Jubiläen – 50 und 80 Jahre alt

Heilbronn-Franken | 26.07.2019

: Ob die Beweidung auch auf die „Viehweide Michelbach“ ausgedehnt wird, ist offen. Foto:©RP Stuttgart/ Benjamin Waldmann
: Ob die Beweidung auch auf die „Viehweide Michelbach“ ausgedehnt wird, ist offen. Foto:©RP Stuttgart/ Benjamin Waldmann

Stuttgart: Die historischen Weidewälder „Viehweide auf Markung Michelbach“ und „Entlesbo-den“ gehören zu den ältesten Naturschutzgebieten im Regierungsbezirk Stuttgart. Dieses Jahr feiern sie ihr 80-jähriges Bestehen.

Das landschaftlich ähnliche Natur-schutzgebiet „Obere Weide“ bei Waldenburg hat dieses Jahr sein 50-jähriges Jubilä-um. „Diese idyllisch anmutenden, parkartigen Wälder sind mit ihren seltenen Pflanzen und Tieren frühzeitig unter Naturschutz gestellt worden“, sagt Regierungspräsident Wolfgang Reimer. „Der Erhalt dieser wertvollen Lebensräume bedarf einer regelmä-ßigen und gezielten Pflege.“ so Reimer weiter. „Optimal ist natürlich eine Pflege, die sich an die historische Nutzung anlehnt. Deshalb übernehmen im Entlesboden und in der Oberen Weide seit einigen Jahren Rinder die Landschaftspflege, die hier - wie früher - Gras und Laub fressen.“ Das halte den Wald licht und komme der daran an-gepassten Flora und Fauna zugute.

Im Sinne einer Erfolgskontrolle soll jetzt mit einer floristischen Bestandsaufnahme dokumentiert werden, wie sich die Beweidung genau auswirkt und ob sie auch für das Gebiet „Viehweide auf Markung Michelbach“ eine geeignete Pflegemaßnahme sein kann.

Geflecktes Knabenkraut, Weißliche Höswurz, Arnika, Wachtelweizen-Scheckenfalter – die Weidewälder bei Waldenburg bergen rare Besonderheiten aus der Tier- und Pflanzenwelt. Die frühere Waldweide war letztendlich eine Übernutzung des Waldes. Das Vieh wurde in den Wald getrieben und tat sich dort an den Früchten von Eiche und Buche, an aufkommendem Gras und jungen Gehölzen gütlich. Gerade durch diese Nutzung entstanden hier Ersatzlebensräume für Tiere und Pflanzen, die auf karge, nährstoffarme Standorte spezialisiert sind und woanders kaum mehr Lebensräume finden. Hätte man hier keine Naturschutzgebiete ausgewiesen, wären die Flächen wohl aufgeforstet worden. Das hätte den lichtbedürftigen Arten die Lebensgrundlage entzogen.

Waldweide nachahmen ist aussichtsreich

Im Jahr 2007 nahm das Regierungspräsidium in der Oberen Weide die Waldweide in Anlehnung an die historische Nutzung wieder auf. Hier und inzwischen auch in Teilen des Entlesbodens weiden Jungrinder einer Biolandwirtschaft aus dem benachbarten Goldbach. Sie fühlen sich wohl und sorgen dafür, dass der Wald aufgelockert wird.

„Bevor wir auf die Idee kamen, die Waldweidenutzung wieder einzuführen, musste der Landschaftspflegetrupp des Regierungspräsidiums Stuttgart die Streuwiesen in den Weidewäldern einmal im Jahr mähen und auch gelegentlich Gehölze entfernen“, sagt Reimer. Nachdem sich aber Sturmwurfflächen innerhalb weniger Jahre in ein Dickicht aus Birken verwandelt hatten, dem kaum noch beizukommen war, musste die Art der Pflege überdacht werden. In Fachkreisen ist unstrittig, dass in solchen Gebieten eine Beweidung die Artenvielfalt fördert. Denn der Tritt der Huftiere und mal intensivere, mal schwächere Beweidung führen zu kleinräumig wechselnden Standortverhältnissen. „Das ist ideal zum Beispiel für die Bestände der Arnika und auch für die in den Gebieten vorkommenden Borstgrasen“, erklärt Regierungspräsident Reimer. Die „Artenreichen Borstgrasrasen“ sind ein Lebensraumtyp, der nach der Fauna-Flora- Habitat-Richtlinie der EU geschützt ist und in Baden-Württemberg als stark gefährdet gilt. „Hier sind wir in der Verantwortung, den Erhaltungszustand zu optimieren - Beweidung ist für Borstgrasrasen die Pflege der Wahl“, so Reimer.

Floristische Bestandsaufnahme als Basis für optimale Landschaftspflege

Auch die Pflege des Naturschutzgebiets „Viehweide auf Markung Michelbach“ soll verbessert werden. Dort dominiert das Pfeifengras, das die wertvollen Borstgrasrasen verdrängt. Von einer Beweidung verspricht man sich auch hier Erfolg. Zuvor jedoch werden dieses wie auch die beiden anderen, bereits beweideten Naturschutzgebiete kartiert, das heißt, der Ist-Zustand der Vegetation wird festgehalten. Diese Untersuchungen finden im Rahmen der Pilotphase zur „Qualitätssicherung von Naturschutzgebieten“ statt. „Wir hoffen auf Erkenntnisse, wie sich die Beweidung in den Gebieten auf die Artenvielfalt auswirkt. Vor allem wollen wir aber fundierte Empfehlungen, welche Art der Landschaftspflege in welcher Intensität optimal wäre. Bis jetzt kann man sagen, dass die Waldweidenutzung bestens geeignet ist, um Weidewälder zu erhalten und um Kosten zu sparen, denn die Pflege mit Maschinen ist um einiges aufwändiger“, resümiert Regierungspräsident Reimer.

V.i.S.d.P.: Regierungspräsidium Stuttgart

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