Landratsamt Ostalbkreis

Endlich Arbeiten bis zur Rente

Ostwürttemberg  | 26.04.2018

Michael Haubner, Firma Rad und Tat, Adam Zgraja, Ursula König, Jobcenter Ostalbkreis, Steffen Schill und Rieber. Landratsamt
Michael Haubner, Firma Rad und Tat, Adam Zgraja, Ursula König, Jobcenter Ostalbkreis, Steffen Schill und Rieber. Landratsamt

Aalen: Laut Medienberichten plant der neue Bundesarbeitsminister Hubertus Heil, bis zum Sommer ein Gesetz für einen sozialen Arbeitsmarkt vorzulegen. Es geht dabei um die Förderung von Langzeitarbeitslosen, die dadurch bundesweit profitieren könnten. Bei der Neuregelung im Sozialgesetzbuch Il könnte die Förderung von Langzeitarbeitslosen zu einer Regelleistung werden. Im Jobcenter Ostalbkreis läuft aktuell bereits in der zweiten Auflage das erfolgreiche Modellprojekt des Landes Baden-Württemberg, das Menschen, die aufgrund multipler Vermittlungshemmnisse schon lange arbeitslos waren, wieder in den Arbeitsmarkt integriert.

Auch im neuen Landesprogramm „Neue Chancen am Arbeitsmarkt - Passiv-Aktiv Tausch PLUS“, das im Sommer 2017 startete, werden die passiven Sozialleistungen in aktive Zuschüsse für Arbeitgeber umgewandelt. Konkret heißt dies, dass Arbeitgeber, die langzeitarbeitslosen Menschen eine Perspektive geben und diese sozialversicherungspflichtig beschäftigen, zwei Jahre lang Zuschüsse erhalten. Die Zuschüsse werden vom Bund, Land und dem Ostalbkreis finanziert und durch das Jobcenter bewilligt. Um die Beschäftigung zu stabilisieren und den Bewerber bei Problemen innerhalb und außerhalb des Arbeitsverhältnisses zu unterstützen, wird dem Arbeitgeber ein sogenannter „Kümmerer“ zur Seite gestellt.

Dass sich das Jobcenter Ostalbkreis immer an den Modellprojekten des Landes Baden-Württemberg beteiligt, steht für Geschäftsführer Thomas Koch außer Frage: „Wir nützen jede Chance, die es uns ermöglicht, einen Menschen, der schwer auf dem normalen Arbeitsmarkt integriert werden kann, anhand von Förderprojekten erfolgreich zu vermitteln.“

Ein Beispiel für eine gelungene Integration ist der aus Polen stammende Familienvater Adam Zgraja, 45 Jahre alt und ungelernt. Er war zuletzt im Jahr 2008 sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Trotz intensiven Bemühungen des Jobcenters hatte er bislang keine Beschäftigung gefunden. Vor allem seine gesundheitlichen Einschränkungen erschwerten die Beschäftigungssuche. Umso erfreulicher war es nun, dass er durch Unterstützung des Bildungsträgers „Donner & Partner“ eine Vollzeitbeschäftigung bei der Firma „Rad und Tat“ als Fahrradmonteurhelfer gefunden hat. Die zuständige Fallmanagerin vom Jobcenter, Ursula König, besuchte Adam Zgraja nach den ersten drei Monaten in seiner neuen Arbeitsstätte bei der Firma „Rad und Tat“: „Die große Motivation und den Willen eine für ihn gesundheitlich machbare Arbeitsstelle zu finden, habe ich bei Herr Zgraja immer gespürt. Ich habe immer daran geglaubt und ihm immer wieder auch Mut gemacht, dass wir noch erfolgreich sind.“

Adam Zgraja ist gerade in der Fahrradwerkstatt beschäftigt. Sichtlich stolz zeigt er seiner Fallmanagerin seinen neuen Arbeitsplatz in der Fahrradwerkstatt. Im Gespräch mit ihr berichtet er, was sich für ihn und seine Familie seit seiner Arbeitsaufnahme geändert hat. Dass ihm die Arbeit als Fahrradmonteur gefällt, ist sofort klar erkennbar. „Früher war jeder Tag für mich gleich. Ich hatte jeden Tag Wochenende. Jetzt freue ich mich sehr auf mein Wochenende und auf die Zeit mit meiner Familie. Meine Familie ist sehr stolz auf mich. Sie warten nach der Arbeit zu Hause schon auf mich. Sie freuen sich sehr für mich und sie spüren, dass ich endlich zufrieden und angekommen bin.“ Die Arbeit bei der Firma „Rad & Tat“ als Fahrradmonteur in der Werkstatt gefällt ihm nach seiner Aussage zu 100 Prozent.

„Ich fühle mich wohl im Team und die Arbeit mit dem Fahrrad passt sehr gut zu mir. Sobald ich mich noch besser eingearbeitet habe, werde ich auch Kunden bedienen. Darauf freue ich mich schon.“ Auf die Frage, ob er ohne die Unterstützung des Jobcenters und die Teilnahme am Modellprojekt des Landes eine passende Arbeitsstelle gefunden hätte, antwortet er mit voller Überzeugung: „Nein, auf keinen Fall. Ohne das Arbeitsmarktprogramm hätte ich keine Chance gehabt. Ich habe mich lange um eine Arbeit bemüht und viele Bewerbungen geschrieben. Leider ohne Erfolg. Ich vermute, dass die meisten Arbeitgeber Vorbehalte gegen langzeitarbeitslose Menschen und dann auch noch mit einer Schwerbehinderung haben.“ Bei der abschließenden Frage, was er sich den für die Zukunft wünsche, antwortet er mit einem glücklichen Lächeln und ohne zu überlegen: „Ich möchte arbeiten bis zur Rente.“

Für seinen Arbeitgeber Michael Haubner von der Firma „Rad & Tat“ aus Aalen war es nie ein Thema, was im Lebenslauf von Adam Zgraja stand. Auch die gesundheitlichen Einschränkungen waren für ihn zweitrangig. Er ist voll des Lobes über seinen neuen Mitarbeiter. „Entscheidend für mich war, dass Herr Zgraja hochmotiviert ist und Lust hat zu arbeiten. Wir sind froh, dass er bei uns ist. Jederzeit würde ich wieder einem Menschen, der sonst aus dem Raster fällt, eine Chance geben, wenn er den Willen hat und motiviert ist zu arbeiten.“

Die Integration auf den ersten Arbeitsmarkt macht deutlich, dass Erfolge möglich sind, wenn alle an einem Strang ziehen. Durch den finanziellen Anreiz profitieren alle Beteiligten: Die Firma „Rad & Tat“ bekam einen motivierten Mitarbeiter und Adam Zgraja einen Arbeitsplatz, der ihm sehr gefällt.

Die Mitarbeiter im Jobcenter Ostalbkreis verfolgen aktuell mit großem Interesse, ob es zu einem sozialen Arbeitsmarkt für Langzeitarbeitslose kommen wird. Dass sie weiterhin erfolgreich an der Vermittlung von schwer vermittelbaren Menschen arbeiten möchten, steht für sie mit oder ohne neuem Gesetz außer Frage.

V.i.S.d.P.: Landratsamt Ostalbkreis

zurück drucken verlinken

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Ostwürttemberg

Neues auf B4B

Aufsteiger Bild Neu

Besuchen Sie unseren Stellenmarkt: Rund 1.200 freie Stellen für Fach- und Führungskräfte in Baden-Württemberg

Zum Stellenmarkt

Anzeige

Mediadaten

Alle Preise und Buchungsmöglichkeiten finden Sie in unseren Mediadaten.

Redaktionsadressen

Pressemitteilungen können Sie an unsere Redaktionsadressen senden.

Bildergalerien

Wochenrückblick abonnieren

Wochenrückblick klein

B4B Baden-Württemberg Wochenrückblick

Jeden Freitag die wichtigsten Wirtschafts-
nachrichten des Landes gesammelt im Überblick.