IHK Ostwürttemberg

Klares Bekenntnis für ein starkes Europa

Ostwürttemberg  | 01.04.2019

IHK hat sich in ihrer Sitzung ausführlich mit der Bedeutung Europas für die Region auseinandergesetzt. Foto: IHK
IHK hat sich in ihrer Sitzung ausführlich mit der Bedeutung Europas für die Region auseinandergesetzt. Foto: IHK

Heidenheim: Die Vollversammlung der IHK Ostwürttemberg hat sich in ihrer jüngsten Sitzung am 28. März 2019 im IHK-Bildungszentrum in Aalen kurz vor der EU-Wahl ausführlich mit der Bedeutung Europas für die Region auseinandergesetzt.

Dabei ergab sich einhellig, dass gerade jetzt ein vereintes und starkes Europa für erfolgreiches Wirtschaften von fundamentaler Bedeutung ist. Eindringlich ruft das regionale Parlament der Wirtschaft daher auf, das Wahlrecht als Wahlpflicht zu verstehen. Weitere Themen waren u. a. die Politikberatung, die Ausbildungsförderung sowie Nachwahlen in IHK-Gremien. Im Anschluss an die offizielle Sitzung referierte Prof. Dr. Patrick Ulrich vom Aalener Institut für Unternehmensführung über das noch junge Institut an der Hochschule Aalen. 

Im Hinblick auf die bevorstehende Europawahl am 26. Mai war es IHK-Präsident Markus Maier wichtig, die EU in den Fokus zu rücken. In reger Diskussion sprach sich die Vollversammlung für die Bedeutung Europas für die hiesige Wirtschaft sowie klar für die Europäische Union aus. Zuvor stellte Katja Bierbaum, Leiterin des IHK-Geschäftsfelds International mittels eines IHK-Videos mit eindrucksvollen Zahlen und Fakten die Bedeutung des Binnenmarkts für die regionale Wirtschaft vor. Das Herzstück Europas ist derzeit der größte Wirtschaftsraum der Welt, in dem 513 Millionen Menschen leben. Das Brutto-Inlandsprodukt betrug 2017 15,4 Billionen Euro. 24 Millionen kleine und mittlere Unternehmen sind im Binnenmarkt tätig. 64 Prozent des Handels wickeln die EU-Länder untereinander ab. Europa ist Deutschlands wichtigster Handelspartner, allen voran die EU-Mitgliedsländer. 53 Prozent der Exporte im Jahr 2018 gingen in die EU. 54 Prozent der Importe kamen aus der EU. Für Baden-Württemberg war Europa mit einem Exportanteil von rund 63 Prozent im letzten Jahr der wichtigste Handelspartner. 51 Prozent der Exporte gingen in die EU und beliefen sich auf 97,2 Mrd. Euro. Die drei erfolgreichsten Exportgüter waren auch in 2018 Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen und pharmazeutische Erzeugnisse. Auch der Großteil der Importe kam mit 71 Prozent aus Europa, 60 Prozent bzw. 97,1 Mrd. Euro aus der EU.

Angesichts dieser wirtschaftlichen Verflechtung und der damit verbunden hohen Bedeutung des Binnenmarkts erklärt IHK-Präsident Maier: „Nicht nur der französische Präsident Macron, auch unser Deutscher Industrie- und Handelskammertag plädiert für ein Europa, das gemeinsam stärker ist. Gemeinsam, was den Binnenmarkt anbelangt, diesen voranzutreiben, die EU insgesamt als Investitionsstandort fit zu machen und die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Unternehmen zu stärken.“ Dies solle auch über gemeinsame und verstärkte Förderprogramme, Investitionen in Forschung und Entwicklung und einheitlicheren, besseren Schutz von Innovationen erfolgen. Selbstverständlich gehöre für Maier dabei auch der Wunsch nach Bürokratieabbau dazu. Die IHK-Organisation plädiere weiterhin für geeignete digitale Rahmenbedingungen mit EU-weit hochleistungsfähigen Breitbandnetzen. Auch die Verkehrsinfrastruktur müsse gemeinsamer gedacht und an wachsenden Bedarf anpasst werden. Steuern gehören vereinfacht und eine krisenfeste Währungsunion geschaffen, was heiße Staatsschulen und faule Kredite in den Mitgliedsstaaten nachhaltig zu beseitigen. „Was wir eigentlich hätten nicht tun wollen, aber höchstwahrscheinlich müssen, ist uns darauf einzustellen - und wir drängen sogar darauf - möglichst schnell neue wirtschaftliche Beziehungen mit dem Vereinigten Königreich zu entwickeln.“ Aber Europa sei für die Unternehmen nicht nur ein Wirtschaftsfaktor; politische Stabilität für unternehmerisches Handeln sei dabei ebenso von unschätzbarem Wert.

Eine Pflicht, wählen zu gehen!
IHK-Vizepräsident Dr. Jörg S. Rieger, Geschäftsführender Gesellschafter von RUD-Ketten in Aalen-Unterkochen bekräftigte: „Die Diskussion um den unseligen Brexit hat uns die Augen geöffnet: Trotz mancherlei Klagen über vielerlei übergewichtige ‚Funktionswut‘ aus Brüssel ist und bleibt der offene, zollfreie, grenzenlose Markt Europa unsere Jahrhundertchance. Das Europa der EU als integrierter Binnenmarkt in der Nachfolge aus vielen nationalen Märkten hat sich etabliert und gibt vor allem uns als Hidden Champion-Unternehmen des Mittelstands früher nie gekannte Chancen. Und damit ist es gerade vor Wahlen wichtig und richtig, diese positive Bilanz einer ‚Erfolgsstory Europa‘ zu ziehen. Der große Schritt hin zu einem europäischen Binnenmarkt und in seiner Bedeutung weit darüber hinaus zu einem Europa mit gesamtstaatlichem Anspruch und eigenem Parlament war wichtig und richtig. Nicht nur ein Anlass, sondern eine Pflicht, wählen zu gehen!“ unterstrich Dr. Rieger

Dem pflichtete Vizepräsident Dr. Matthias Metz, Mitglied des Vorstands der Carl Zeiss AG bei: „Die Erschütterungen, welche das Thema Brexit für die Europäische Union und die Wirtschaft bereits jetzt mit sich bringt, lassen erahnen, wie wichtig der europäische Gedanke für uns ist und wie sehr wir vieles für selbstverständlich halten: die Freizügigkeit für Menschen und Unternehmen, ein gemeinsamer Markt mit gemeinsamen Werten, freier Austausch von Produkten sowie Kapital und vor allem Frieden und politische Stabilität.“ Die Stimme Europas und ein klares, gemeinsames Verständnis, welche globale Rolle Europa in der Zukunft spielen will, habe unmittelbare Bedeutung für die Wirtschaft und Gesellschaft. „Eine hohe Wahlbeteiligung ist wichtig, damit das Parlament mit einer von vielen Wählern getragenen Legitimation in die nächste Legislaturperiode geht“, erklärte Metz abschließend.

Mit der Landesregierung im Gespräch
IHK-Hauptgeschäftsführerin Michaela Eberle informierte die Vollversammlung über die verschiedenen Aktivitäten in der Politikberatung. So gab es u. a. Austausch auf Landesebene mit Innenminister Thomas Strobl. Auf der Tagesordnung standen dabei die Themen Fachkräftezuwanderungsgesetz, Breitband und KI. Ebenfalls ausführliche Gespräche gab es mit Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, die am 18. März das IHK-Bildungszentrum in Aalen besuchte. Dass hier ideale Lehr- und Lernbedingungen herrschen, zeige, dass die Fördergelder gut angelegt seien als Zukunftsinvestitionen, insbesondere in die duale Berufsausbildung. Angesprochen wurden dabei auch die verschiedenen Aktivitäten pro duale Berufsausbildung, Hierzu zählt auch der neue IHK-Azubi-Pass, der von den Unternehmen hervorragend angenommen wurde. Mit dem Azubi-Pass können Jugendliche für eine Woche authentische Einblicke in Beruf und Betrieb der Partnerunternehmen bekommen. Weitere auf Landesebene angesprochene Themen im Verbund aller 12 baden-württembergischen IHKs waren in den letzten Wochen die Bedenken der Wirtschaft bei den aktuell vorliegenden Entwürfen zur Grundsteuerreform, sowie Anmerkungen an der Novellierung des Berufsbildungsgesetzes (BBIG).

Personelle Veränderungen
In der Wahlgruppe Industrie Heidenheim rückt in die IHK-Vollversammlung nach Peter Hoffmann-Pichler, Geschäftsführer der IVH Industrieverpackung Heidenheim GmbH. Er folgt Andreas Joehle, der sein Amt nach dem Ausscheiden bei der Paul Hartmann AG niedergelegt hatte.

Die Vollversammlung beschloss zudem die Nachwahl von Dr. Frank Hornung, CFO der Edelmann Group, Heidenheim in den Finanz- u. Steuerausschuss. Nachgewählt in den Industrieausschuss wurden Matthias Ebert, Teamleiter, Energievertrieb Individualkunden und Energielösungen, EnBW Ostwürttemberg DonauRies AG, Ellwangen, und Eugen Klaiber, Geschäftsbereichsleiter Technik, Voith Dienstleistungen und Grundstücks GmbH; Heidenheim.

Markus Schmid, Leiter des IHK-Geschäftsfelds Existenzgründung und Unternehmensförderung stellte die aktuellen Zahlen und Aktivitäten der quirligen Start-up-Region Ostwürttemberg vor und verwies mit Vorfreude auf das Leuchtturm-Event Make Ostwürttemberg, das am 28. und 29. September 2019 in Schwäbisch Gmünd in die zweite Runde geht.

Aalener Institut für Unternehmensführung
Prof. Dr. Patrick Ulrich erklärte die Zielrichtung und die Aufgaben des Aalener Instituts für Unternehmensführung (AAUF), das sich in seinen Studien und Beiträgen auf das Zusammenspiel von Compliance, Governance und Risk-Management fokussiert. „Die fundierte Forschung des AAUF – auch in Kooperation mit Partnern aus der Wirtschaft – soll auf konkrete Betriebstypen zugeschnittene praxisnahe Lösungen hervorbringen.“, erklärte Prof. Dr. Ulrich. Das AAUF stellt Studien zum Beispiel darüber an, wie KMU und Familienunternehmen Compliance Management oder Riskomanagement betreiben, was gegebenenfalls zu wenig beachtet wird und welche Folgen dies bringen kann. Die Forschungsergebnisse sollen für die breite Praxis verständlich und anwendbar dargestellt werden. Darüber hinaus soll durch die Verankerung des AAUF in Struktur- und Entwicklungsplan der Hochschule Aalen der Lehrbetrieb vorangetrieben sowie die Berufsbefähigung der Studierenden zielgerichtet und nachhaltig verbessert werden.

V.i.S.d.P.: IHK Ostwürttemberg

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