Handwerkskammer Ulm

„Das Handwerk hat noch für viel mehr Kraft“

Ulm (Region) | 18.07.2019

Betriebsinhaber Jürgen Seibold spricht über Chancen und Herausforderungen eines Start-ups im Handwerk. Foto:©Handwerkskammer Ulm Betriebsinhaber Jürgen Seibold spricht über Chancen und Herausforderungen eines Start-ups im Handwerk. Foto:©Handwerkskammer Ulm

Ulm: Herausforderungen und Chancen eines Start-ups sind Thema beim Betriebsbesuch der Handwerkskammer Ulm bei der ITL Fahrzeugbau GmbH in Ulm. Einmal im Monat sind der Präsident der Handwerkskammer Ulm, Joachim Krimmer, und Hauptgeschäftsführer Dr. Tobias Mehlich zu Gast bei einem Handwerksbetrieb.

Beim Besuch von ITL Fahrzeugbau GmbH in Ulm haben die Anwesenden unter anderem über die Chancen und Herausforderungen eines handwerklichen Start-ups gesprochen. Betriebsinhaber Joachim Weigel und Josef Seibold haben im Jahr 2014 die Räumlichkeiten von Karl Gross nach dessen Insolvenz übernommen. „Der Markt hat nicht auf uns gewartet“, stellt Weigel rückblickend fest, „allerdings setzen sich Qualität und Zuverlässigkeit durch.“ Der Karosserie- und Fahrzeugbauer-Betrieb stellt LKW-Aufbauten kundenspezifisch her und veredelt Fahrgestelle für Kunden im ganzen süddeutschen Raum. „Bemerkenswert ist bei diesem Betrieb, dass er innerhalb von nur fünf Jahren nach Übernahme eines Insolvenzbetriebes schon so rentabel und stabil wurde“, sagt Dr. Tobias Mehlich, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Ulm. Als Neugründung sei es wichtig, sich schnell am Markt zu etablieren, durch besondere Merkmale herauszustechen und sich immer weiterzuentwickeln.

Herausragend sei auch, dass der Betrieb seine Mitarbeiterzahl innerhalb der letzten fünf Jahre mehr als verdoppelt hat – und noch mehr könnte. „Das Handwerk hat enorme Kraft und könnte noch mehr Arbeitsplätze bieten“, so Mehlich. Allerdings haben Seibold und Weigel noch immer Probleme beim Finden von geeigneten Fachkräften. „Fachkräfte bekommt man durch Ausbildung“, betont Mehlich, „hierzu ist zum einen Offenheit, beispielsweise für Geflüchtete oder Studienaussteiger, nötig.“ Denn fast 500 Geflüchtete und 180 Abiturienten seien derzeit im Gebiet der Handwerkskammer Ulm beschäftigt und unterstützen die regionalen Betriebe. Zum anderen spielen auch attraktive Wettbewerbsbedingungen eine große Rolle. Zur Unterstützung bei der Suche bietet die Kammer für Handwerksbetriebe beispielsweise an, Betrieb und möglichen Auszubildenden einander passgenau zu vermitteln oder auch die Personalberatung, die beim Finden und Binden von bereits qualifizierten Fachkräften hilft.

Um Fachkräfte individuell und modern auszubilden, sind finanzielle Mittel nötig. Eine Hürde ist es laut Seibold, hierfür eine Finanzierung zu erhalten: „Eine Vorfinanzierung erhält man für Material und Maschinen, oft jedoch nicht für Menschen. Wir im Handwerk denken aber in Menschen.“ Diese Investition in Menschen sei unabdinglich für das Wachstum eines Unternehmens. Die Aufträge und auch die investierten Gehaltskosten müssen vorfinanziert werden von ITL. Innerbetrieblich ist ITL Fahrzeugbau gut ausgestattet: Große Hallen und eine Lackierkammer, die vergleichbar ist mit solchen von manchem Großbetrieb und in der Region hier nicht viele vergleichbare Möglichkeiten bietet. Der Betrieb arbeitet erfolgreich im Verbund mit externen Dienstleistern zusammen.

V.i.S.d.P.: Handwerkskammer Ulm