Universität Ulm

Datenübertragung der Zukunft

Ulm (Region) | 11.04.2019

Stefan Halder, Dr. Sven Puchinger, Prof. Dr.-Ing. Martin Bossert, Jörg Hochhausen und Götz Maier. Foto: ©Südwestmetall/Wagner Stefan Halder, Dr. Sven Puchinger, Prof. Dr.-Ing. Martin Bossert, Jörg Hochhausen und Götz Maier. Foto: ©Südwestmetall/Wagner

Ulm: Der mit 5000 Euro dotierte Südwestmetall-Förderpreis für die Universität Ulm geht in diesem Jahr an Dr. Sven Puchinger. Der 28-jährige Elektroingenieur, der am Institut für Nachrichtentechnik der Uni Ulm promoviert hat, wurde in Stuttgart für seine Doktorarbeit zur algebraischen Kanalcodierung ausgezeichnet. Dabei geht es um den Einsatz spezieller mathematischer Verfahren, mit deren Hilfe Übertragungsfehler verhindert und Datenflüsse verschlüsselt werden können. So kann die Speicherung und Übertragung von Daten sicherer und zuverlässiger gemacht werden.

„Daten sind ein wichtiger Bestandteil der Digitalisierung und Industrie 4.0. Datenschutz und Authentizität der Daten haben hohe Priorität. Somit kommen dem Aufbau, wie auch der Decodierung der Daten, wie sie der diesjährige Ulmer Preisträger untersucht hat, eine hohe Bedeutung zu“, erklärte Götz Maier, Geschäftsführer von Südwestmetall in Ulm. Die Arbeit liefere damit wichtige Grundlagen für die Codierung der Zukunft.

Südwestmetall-Preisträger Dr. Sven Puchinger ist ein wissenschaftliches Ausnahmetalent. Der gebürtige Karlsruher ist in Ulm aufgewachsen und hat dort auch studiert. Nach einem hervorragenden Bachelor-Abschluss – seine damalige Arbeit zur Kanalcodierung im Mobilfunk wurde mit dem ARGUS-Preis ausgezeichnet – hatte der überdurchschnittlich begabte Student die Möglichkeit, direkt zu promovieren. Dafür musste er allerdings zusätzliche Masterprüfungen ablegen. Diese Auflage hielt ihn samt Lehrverpflichtungen nicht davon ab, während der Promotion ein Mathematik-Studium aufzunehmen und mit einem Bachelor erfolgreich abzuschließen. Auf den Geschmack dieses Faches ist er bei einem zweisemestrigen Auslandsaufenthalt im kanadischen Toronto gekommen.

Der Nachwuchswissenschaftler ist mit seinen jungen Jahren bereits ein gefragter Experte und Gutachter. Sein langjähriger Betreuer, Institutsleiter Professor Martin Bossert, ist nicht nur von dessen wissenschaftlicher Arbeit beeindruckt. Puchinger glänze sowohl fachlich durch hohe Auffassungsgabe und fundiertes Grundlagenwissen, zudem habe er auch eine auffallend große Sozialkompetenz und didaktische Begabung. So sei er nicht nur als studentischer Tutor sehr beliebt, sondern auch als wissenschaftlicher Kooperationspartner äußerst gefragt. Auch in der Industrie hat Puchinger bereits mehrfach Erfahrungen gesammelt: Als Werksstudent arbeitete er bei EADS, Cassidian sowie bei Daimler in der Forschung und Entwicklung.

Sven Puchingers große mathematische Begabung ist eine hervorragende Voraussetzung für seine wissenschaftliche Arbeit. Im Mittelpunkt seiner Forschung stehen hochanspruchsvolle mathematische Methoden der algebraischen Kanalcodierung. Was für den Laien auf den ersten Blick etwas trocken und spröde klingt, hat große aktuelle Brisanz. Braucht man solche nachrichtentechnischen Verfahren doch, um den Datenverkehr zuverlässig und sicher zu machen. Ein aktuell sehr wichtiges Einsatzgebiet ist die Kryptologie, die unter anderem die Verschlüsselung von Datenflüssen betrachtet. „So gut wie alle bislang gebräuchlichen Krypto-Systeme basieren auf Zahlentheorie. Viele dieser Verfahren sind aber nur noch solange sicher, wie es keine hochleistungsfähigen Quantencomputer gibt“, erklärt Puchinger. Um auch in Zukunft Krypto-Attacken abwehren zu können, werden alternative Verschlüsselungsverfahren benötigt. Ein vielversprechender Kandidat für solche Systeme basiert auf Kanalcodierung. Um solche Verfahren besser realisieren zu können, beschreibt und analysiert Sven Puchinger in seiner Doktorarbeit eine neue Codeklasse. „Daneben hat der Wissenschaftler auch ein verbessertes Power-Decodierverfahren für weit verbreitete Codeklassen entwickelt, das aufgrund seiner Leistungsfähigkeit als das beste weltweit gilt“, so Haupt-Gutachter Bossert. Und in puncto Geschwindigkeit hat der Ingenieur mit seiner Dissertation ebenfalls etwas beizutragen: mit einem Decodierverfahren für sogenannte Rangmetrik-Codes, das Übertragungsfehler in Datennetzwerken deutlich schneller korrigiert. Diesen Forschungsthemen bleibt Dr. Sven Puchinger auch an seiner neuen Arbeitsstelle treu. Seit Mai letzten Jahres forscht er an der Technischen Universität München in der Lehr- und Forschungseinheit für Nachrichtentechnik.

Mit dem Förderpreis würdigt Südwestmetall herausragende Leistungen des wissenschaftlichen Nachwuchses an den neun baden-württembergischen Landesuniversitäten. An jeder Universität wird ein mit 5000 Euro dotierter Südwestmetall-Förderpreis ausgelobt. Die Preise werden jährlich auf Vorschlag der Universitäten für wissenschaftliche Arbeiten vergeben, die für die industrielle Arbeitswelt oder deren sozialpolitische Rahmenbedingungen von Bedeutung sind.

V.i.S.d.P.: Universität Ulm